06:33

Atemwolkenkalt ist es.
Finger sind fremd und greifen schlecht.
„Danke“, denke ich,
als endlich die U Bahn kommt.
Orange und warm.
Die Fahrgäste senken sich übermüdevoll und seufzend in die Sitze.


Traurige Hände. Finger ineinander verschlungen.
Lippenstift in den Mundwinkelfalten,
die nach unten schauen, und immer nach unten schauen.
Auf verkrampft überschlagene Beine.
So haben wir es uns nicht vorgestellt.
Unsere Bestimmung hätte doch großartig sein sollen.
Wir hätten doch besonders sein sollen.
Wir wussten doch früher alles besser.


Aber heute gehe ich ihn nicht entlang, diesen ausgelatschten Gedankengang.
Stattdessen recke ich schon den Kopf, über den Rand dieser müden Traurigkeit.
Ich wünschte ich hätte eine Werkzeugkiste,
die mich zu einem echten Handwerker macht.


Will einen Blaumann tragen und zuverlässig sein.
Es ist schön immer einfacher zu werden.
Umgeben von einem warmen, orangenen Licht.

Immer finden meine Gedanken dich

Immer finden meine Gedanken dich,
jagen los wie Spürhunde,
nehmen die Fährte auf,
folgen dem Geruch von Schmerz;
Finden Äste im Gedankenbaum,
die sie eifrig apportieren,
mit hechelnder Zunge,
um meinem Herzen weh zu tun;


Ich zerre an der Leine, rufe sie zurück,
rufe sie zur Ordnung;
Bei Fuß, ihr Schmerzensbringer,
es ist sinnlos diese Knochen zu kauen,
und immer wieder zu kauen;

Doch immer finden meine Gedanken dich,
ein Moment der Unachtsamkeit genügt,
die Leine entgleitet mir,
und wenn ich meinen Blick wieder hebe,
stehen sie schwanzwedelnd vor deiner Tür.
Schauen dich fragend an.

Vorfrühling

Vorfrühling
Der Frühling kommt immer
wie unverdiente Güte…
Wie ein erstes, nettes Wort.
Ich bin seltsam in diesem neuen Licht.
Eine Winterkrähe, die ihrem Glück nicht traut.

Du sollst wissen, dass ich dich liebe.
Auch wenn ich mich immer so sträube
Auch wenn aus meinen Poren immer nur soviel Negatives quillt,
von dem ich nicht weiß, woher es fließt.
Wenn ich anders könnte
würde ich mit dir auf die Wolken schauen,
aber es geht quer in mir,
Immer ist alles Reißnagel und Angriff,
immer muß ich mich verteidigen.
Aber in der echten Welt, drei Oktaven über mir
Liebe ich dich.
Und wünschte ich könnte mit dir Wolken schauen

Japanisches Extrakt

Du fängst mit deiner Fingerspitze
Meinen Augentau.
Und in mir öffnet sich tausendfach
Die Herzblüte.

Winterhimmel

Am Abend ist der Winterhimmel rosa
– wie ein russisches Märchen.
ein erster Schimmer,
in einer Nicht-Phase.
In einem Ausruhen,
vor dem Anfangen.
ein kleines Seufzen
in der Zwischenwelt
-geistig und
nah.