Was für ein rätselhafter Tag heut ist-
– alle Zeichen bleiben stumm.
Gestern noch, da haben sie sich angeklammert,
jetzt fallen alle langsam ab.
Sie wissen, dass ich heut
leise,
ins Dunkle gehe.
Wie ein Wunder
Immer wenn das Allerschlimmste passiert,
ist da jemand;
ein Fremder.
Und immer wenn ich im Leid bin,
kann ich die normale alltägliche Freundlichkeit der Menschen
fühlen;
wie ein Wunder.
Nachtbus
Alle Menschen sind mir plötzlich so fremd geworden.
Ich sehe in den Augen nach und nach das freundliche Licht ausgehen,
und es wird dünkler in mir.
Gänseblümchen
Stumme Worte. Sag mir all deine stummen Worte. Wenn die Buchstaben auf der Tastatur schlafen wie Gänseblümchen, dann sag mir deine stillen, leisen Worte aus Haut und Lippen.
Wo der Pfeffer wächst…
Lass diesen Geist ganz klar werden, damit du deine Worte darauf schreiben kannst: All meine Gedanken, meine Hoffnungen, meine Erwartungen sollen dahin gehen, wo der Pfeffer wächst. „Aber“, fragt da gleich mein Verstand: „Wo wächst der Pfeffer eigentlicht?.“ :-)
Rubik Würfel vs. Dichtungsschaum
Hier sitze ich in meinem Exil, in meinem Warten auf bessere Zeiten. War es nicht immer so? Hab ich nicht immer, irgendwie auf bessere Zeiten gewarten? Und ja, sie sind auch gekommen, aber immer mit Unvollkommenheit im Gepäck. Im Gepäck mit dem ewigen Widerstreben des Lebens. Weil dieses Leben eben so ist.
Vielleicht sollte ich aufhören daran herumzudoktern. Denn was ist wahnsinniger als das? Das ist wie bei einem Rubik Würfel, und die hab ich noch nie hinbekommen! Hier noch ein bisschen schieben, da noch ein bisschen drücken, verdammt, wieder nichts. Aber vielleicht wenn ich es nocheinmal versuche, der gelbe Würfel soll doch dort sein, warum ist er denn neben dem roten? Und anstatt, dass wir es einsehen, versuchen wir es einfach immer weiter. Wahrscheinlich, weil wir zu nah dran sind. Und nicht sehen, dass das alles nichts bringt, all dieses Herumfuhrwerken, Herumpfuschen in unseren Leben. Das einzig vernünftige wäre, diesen Würfel endlich wegzuwerfen, nicht mehr zu versuchen, die Steine so anzuordnen, dass endlich alle Farben ordentlich in Reih und Glied stehen.
Und es ist ja nicht so, als ob uns das nie jemand gesagt hätte, als ob uns das nicht überall ständig gesagt würde. Aber so ganz einsehen können wir es nicht. Wir wollen das Leben mit aller Gewalt dazu bringen, nicht mehr relativ zu sein, sondern absolut.
Es soll seine Unterschiede, seine Kontraste, für sich behalten. Damit dieser einzige, wunderschöne, extatische Moment doch für immer dauern könnte. Aber so ist es nicht. Wir fallen wieder ab, wir stürzen wieder in die Relativität, wo es hier ja so ganz okay ist, aber dort tuts weh, und der Ausblick nach dahin ist noch schlimmer. Und immer denken wir, es ist unser Fehler. Irgendetwas haben wir übersehen, wir sind noch nicht ganz da, wo wir sein sollten, denn dann wäre es ja besser, dann wären da nicht soviele Risse in uns selbst. Aber dazu sind wir da. Um zu begreifen, dass es das Wesen des Lebens ist, relativ zu sein. Und das wir das Licht sind, das so wachsen kann. Es ist unsere Aufgabe unser ganzes Sein so auszudehnen, bis es wie Fugenkitt in diese Rillen und Risse fließen kann.
Wir laborieren immer an der falschen Stelle herum. Hier wo wir sind, sollen wir bleiben, sollen nicht versuchen, jetzt endlich doch alles perfekt werden zu lassen, sondern die Unvollkommenheiten ansehen und dann ausströmen, wie dieser herrliche Dichtungsschaum, den ich als Kind schon so gerne gemocht habe. Die Brüche in der Vollkommenheit des Lebens werden ausgeschäumt von uns selbst, von unserer Seele, wenn man solche Worte gerbauchen will. Und alles was offen klafft, in unserem Leben, ist eine Wunde, die es von uns selbst zu schließen gilt. Dort müssen wir hineinwachsen, mit einer neu gewonnenen Größe.
Was soll ich euch sagen, das ihr nicht eh schon wisst? Dass, das Leben nicht so ist, wie ihr gedacht habt, dass es sein sollte. Das euch viel widerfahren ist, von dem ihr nicht wolltet, dass es geschieht, und dass es trotzdem passiert ist. Und dass, es dann doch, im Nachhinein, immer irgendwie gut war. Dass es dann doch, wenn das Schlimmste erst vorüber ist, immer genau das Richtige war, was geschehen ist. Dass euch alles immer nur dahin gebracht hat, wo ihr heute seid und dass, ihr niemals das geworden wärt, wenn nicht soviel schief gelaufen wäre. Stellt euch vor, es wäre in euerem Leben immer alles so gelaufen, wie ihr es haben wolltet. So ganz von Anfang an. Wer wärt ihr dann? Würdet ihr nicht in Wahrheit ein falsches Leben, leben, eines das gar nicht euch gehört, das gar nicht ihr selbst seid? Würde es euch nicht flach machen, eindimensional und wärt ihr dann wirklich glücklich?
Was sollen alle diese Worte von einer, die keine Ahnung hat? Ich weiß es auch nicht, sie kommen mir einfach so in den Sinn, und sind wahrscheinlich an mich selbst gerichtet.
Der Schönheitsfleck von Cindy Crawford
Der offizielle Text tut so, als wolle er mich beruhigen, als wolle er mir ein gutes Gefühl für mich geben. „Seht her auch diese Frauen sind nicht perfekt. Ach, auch die Großen dieser Welt haben ihre Schwächen, ihre Leiden.“ Aber in Wahrheit, wird uns unter unserem Nicken, unter unserem „Jaja, auch die Models sind nicht vollkommen“, ein wenig übel. Und ein Gefühl das Versagens breitet sich leise in uns aus. Denn der Subtext sagt etwas anderes. Heimlich wird uns eine andere Botschaft unter geschoben: „Du mußt dich nur bemühen. Du mußt dich nur genügend anstrengen, du mußt nur das richtige Produkt kaufen, dann kannst du auch so schön sein, wie die Models auf dem Laufsteg. Oder zumindest fast.“ Und übrigens: „Sieh dir diese Frauen an, diese wunderschönen Frauen, aber auch die sind nicht perfekt, und es geht darum perfekt zu sein. Sieh nur wie das Urteil sie zerlegt. Sieh nur, wenn man ihre Körper nur lange genug auseinandernimmt, wenn man sie nur ausreichend seziert, dann findet man auch an ihnen das Schlechte. Sieh nur, wie wir sie zerstückeln, wie wir sie in ihre Einzelteile zerlegen.“ Da heißt es dann: „Narben, Segelohren oder große Füße: Auch Heidi Klum, Adriana Lima oder Gisèle Bündchen kämpfen mit Schönheistfehlern. Die Bilder.“[2]
Und sie haben sie, die Bilder. Die Beweisfotos. Wir haben sie zuerst auf ein Podest gestellt, sie über uns erhöht, und dafür hassen wir sie jetzt, und rächen uns. Aber heimlich, mit einem Lächeln, damit es keiner merkt. Oder wir erfinden den Mythos von der Rache der Natur an denen, die sie gesegnet hat. Und begierig lauern wir: „Sorge um eine der schönsten Frauen der Welt. Cindy Crawford hat den Verdacht, dass sie Hautkrebs hat. Ausgerechnet ihr Markenzeichen, der Schönheitsfleck an ihrer Oberlippe, soll dem Topmodel Probleme bereiten.“[3]
Natürlich, ausgerechnet.
Und: „Zu Beginn ihrer Karriere war das Muttermal etwa so groß wie eine Sommersprosse. Mittlerweile sei es gewachsen und habe sich ausgedehnt. Solch eine Mutation ist oft ein Indiz für Hautkrebs. Noch hat kein Arzt den besorgniserregenden Verdacht diagnostiziert. Wir halten euch auf dem Laufenden.“[4]
Seemannslied
Als ich dich kennen gelernt habe, bist du mir so verloren vorgekommen.
So im Stich gelassen.
Ich hab mich zu deiner Traurigkeit so hingezogen gefühlt.
Du warst so verloren,
in deiner scheinbaren Hoffnungslosigkeit.
Und tiefer als das, lag ein grauer Glanz in dir.
Geschmolzenes Gold.
Ich wollte gut zu dir sein.
Ich bin staubtrocken zu dir.
Meine Liebe scheint nichts mehr zu vermögen,
und meine verzweifelten Forderungen
vertiefen dein stoisches Lächeln,
ziehen es in die Breite,
und du bleibst wo du bist.
Ich würde so gerne das Gefühl haben, gut zu sein für dich.
Für die Welt.
Aber meine Geschenke verlieren mit der Zeit ihren Glanz.
Sie nutzen sich ab,
und erscheinen auch mir ohne Wert.
Und dann zieht es mich hinaus, anderes Stirnrunzeln zu küssen,
anderen das Herz leicht zu machen,
weil mein eigenes so schwer ist.
